Nach dem Umbau durch Korte Einrichtungen erreicht das Café Sander in Landstuhl neue Zielgruppen ohne die alten zu verprellen.


Ladenbau für Sander
Eine breite Fensterfront mit aufschiebbaren Glastüren und eine moderne Coffeeshopatmosphäre locken die Kunden von der Straße

Zwölf Jahre können schnell vergehen, speziell im Ladenbau. Diese Erkenntnis reifte jedenfalls vor zwei Jahren in Willi Sander, als er sein Café in der beschaulichen Kleinstadt Landstuhl einmal einer kritischen Analyse unterzog. Auf den ersten Blick noch gut in Schuss, sprach es doch längst nicht alle Zielgruppen an, die der gelernte Kaufmann erreichen wollte. Zwar kamen die treuen klassischen Cafékunden weiter, aber andere potenzielle Klientel brauste achtlos vorbei. Sander: „Der mittleren Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren waren wir einfach zu bieder.“ Auch die US-Amerikaner, von denen immer noch viele tausend um Landstuhl stationiert sind, wussten mit einem klassischen deutschen Café nicht allzu viel anzufangen.

 

Nach der Analyse standen für Sander und seine Frau Sabine einige Reisen durch Cafédeutschland auf dem Programm. Mehr als ein Konzept wurde besucht und hinterfragt, ob es denn für den Ort geeignet wäre. Schließlich sollten neue Kundengruppen angesprochen werden, ohne die alten zu verprellen. Das Ergebnis von rund einem Jahr „Planungs- und Findungsphase“ ist seit September 2007 in der Kaiserstraße 17 zu bewundern. Mit Unterstützung von Korte-Berater Harald Krebs entwickelt, hat es das neue Café Sander sicher verdient, von Bäckern und Konditoren auf ihren Deutschlandreiseplan gesetzt zu werden.


Coffeshop, Lounge oder Plüsch?


Ladenbau für Sander - Coffeeshop
Vorne Coffeeshop

Geändert wurde nicht nur die Einrichtung, sondern auch das Konzept. In der Summe erreicht das Café seit dem Umbau große Umsatzsteigerungen. Bei Sander bekommt jede Zielgruppe das Ambiente, in der sie sich wohl fühlt. Ganz vorn – speziell für die amerikanischen Kunden – findet sich der neue Coffeeshop-Bereich. Eine breite Front zur Straße mit aufschiebbaren Glastüren macht deutlich, dass hier etwas los ist.


Ladenbau für Sander
Hinten Plüsch

Sander: „Die Amerikaner kennen alle Starbucks, wir wollten ihnen etwas Vertrautes bieten.“ Nach hinten schließt sich an den Coffeeshop der ruhigere Café-Bereich an. Hier sollen sich die Stammkunden wohl fühlen, die Sander schon lange die Treue halten. Wer es etwas ruhiger mag, zum Beispiel bei Familientreffen oder Unternehmerbesprechungen, findet schließlich ganz hinten sein Aufenthaltsangebot. Eine Radikalkur bei der Thekenplatzierung sorgt dafür, dass bei Sander alles neu erscheint: Stand sie vorher in voller Breite zum Eingang und ließ nur einen schmalen Gang nach hinten, läuft die Theke jetzt in die Tiefe. Das Café gewann so den Raum für den öffnenden Coffeeshop-Bereich vorne. Vor allem wird der Gast jetzt aber auch eingeladen, den hinteren Bereich zu erkunden.


Konzeptwechsel


Ladenbau für Sander
Ein breites Angebot

Neben den baulichen Veränderungen hat Sander natürlich auch am Angebot des Cafés gefeilt. Beim alten Konzept lag der Schwerpunkt auf Kaffee und Kuchen, dazu etwas Frühstück und ein kleiner Mittagstisch. Mit dem Umbau wurde Sander zum Profi für alle Tageszeiten. Beispiel Frühstück: Am Mittwoch, Samstag und Sonntag erwartet die Kunden jetzt ein umfangreiches Buffet. Aber auch das normale Frühstücksangebot hat es in sich. Das Preisspektrum fängt bereits bei 3,20 Euro an (Kaffee, Brötchen mit Marmelade oder Honig).

 

Die Kunden greifen aber auch sehr gern zu den Luxus-Angeboten, Sander: „Wer in ein Café zum Frühstücken geht, will sich etwas Gutes tun und schaut dann nicht so auf den Preis.“ Beliebt bei den amerikanischen Gästen ist das Bauernfrühstück: Kaffee oder Tee, Bratkartoffeln mit Ei, Röstzwiebeln und Speck, Brötchen und Brot für 5,80 Euro. Ein anderer Renner ist das Bella Italia. Für 8,80 Euro erwartet den Gast ein Cappuccino Grande, Brötchen und Croissant, Butter und Marmelade, zwei Rühreier mit frisch gewürfelten Tomaten, Mozzarella und Basilikum sowie eine Honigmelone mit Landschinken. Speziell an die Schüler richten sich am Morgen Angebote wie Pizzabaguette mit Coca Cola – und treffen auf eine durchaus kaufkräftige Zielgruppe. Auch mittags erwartet den Gast alles andere als Standardkost. Bei unserem Besuch waren zum Beispiel Spargelvariationen im Preisbereich zwischen 6,80 und zwölf Euro im Angebot. Den Kunden stehen mittags neben zwei Stammgerichten auch eine Vielzahl anderer Gerichte zur Auswahl. Damit ist das Gastro-Geschäft für Sander aber noch nicht vorbei. Ab 17 Uhr hat er die amerikanische Gewohnheit des Early Dining aufgegriffen. Beliebt ist zum Beispiel ein Clubsandwich mit Bratkartoffeln.


Konzentration auf das Wesentliche


Ladenbau für das Cafe Sander
Der Gast ist König im Cafe Sander

Nicht geändert hat sich natürlich die Torten- und Kaffeekompetenz des Unternehmens, wobei es bei letzterer auch die Erweiterung auf Trendspezialitäten gegeben hat, während die alten Stammkunden weiter ihren Filterkaffee bevorzugen. Interessant ist auch, dass das Thema Tee im Café inzwischen eine wachsende Rolle spielt. Das hat sicher auch damit zu tun, wie das Heißgetränk zelebriert wird. Serviert wird es grundsätzlich auf dem Tablett in einem bauchigen Glas mit Kandiszucker. Das Ehepaar Sander hat übrigens vor zwölf Jahren schon einmal einen radikalen unternehmerischen Schritt vollzogen: Um sich auf die Kernkompetenz, die Betreuung der Gäste, konzentrieren zu können, lässt sich Sander von guten handwerklichen Betrieben aus der Region beliefern.

 

Die Backwaren kommen seitdem von einer kleinen Landbäckerei aus Kusel, die Konditorei versorgt das Café Maas aus Homburg. Probleme mit den Kunden gab es zur Umstellung fast keine, Sander: „Natürlich sprechen mich auch heute ältere Kunden noch immer auf die Schwarzwälder Kirsch von meinem Vater an, von dem neuen Angebot waren aber auch alle begeistert. Dass die Sanders Zeit für ihre Kunden haben, ist ein wichtiges Profilierungsinstrument. Man sucht die persönliche Ansprache zum Kunden. Gleichzeitig ist mit dem Umbau und dem erweiterten Angebot jetzt aber auch die Belastung des Unternehmerpaares noch einmal gestiegen. Der Ruhetag in der Woche wurde abgeschafft, die Öffnungszeiten auf sechs bis 19 Uhr ausgeweitet. Den zusätzlichen Einsatz bringen die Sanders gern, schließlich kommt das neue Konzept an und erfüllt seinen Hauptzweck: Neue Kunden zu gewinnen, ohne die Stammklientel zu vergraulen. Sander hat beobachtet, wie experimentierfreudig auch die älteren Menschen sein können. Sie testen gern die neuen Angebote, kehren dann aber in der Regel wieder zu „ihren“ Sortimenten und „ihrem“ Bereich im Café zurück. Das Cafégeschäft ist die Leidenschaft des Ehepaares Sander und man merkt, dass sie viel Herzblut in ihren Betrieb stecken, um ihre Kunden zu verwöhnen. So oder so leben die Sanders jetzt ein Konzept, das sicher für viele Jahre aktuell bleiben wird.