In der Kortumstraße in Bochum entstand ein richtungsweisendes Café für die Bäckerei Horsthemke. Lange Zeit gab es in der Bochumer Fußgängerzone kein modernes Bäckercafé mehr. Im Jahr 2002 pilgerten die meisten Passanten noch zu einem der ersten Backwarendiscounter. Premium Ladenbau Konzepte, die locken konnten, gab es nicht mehr.
Das Bäckerhandwerk schien sich ohne Gegenwehr aus der Innenstadt zurückgezogen zu haben – wie auch so manch anderes Fachgeschäft. Die frei werdenden Ladenlokale besetzten gern 1-Euro-Läden und Handyshops. Zumindest was die Präsenz der Bäcker angeht, sehen wir jetzt allerdings wieder Land. Im Juni hat die Bäckerei Horsthemke aus Oberhausen in Bochum ein Cafe eröffnet, das sicher auch manchem Kollegen Anregungen für den Ladenbau geben kann.
Das gilt besonders, da sich direkt gegenüber schon seit längerem ein Backdiscounter befindet, der ganz offensichtlich bei der Standortwahl keine abschreckende Wirkung mehr ausgeübt hat. Klares Signal: Wer gegen Billigkonkurrenz bestehen will, darf nicht mit einem ideenlosen Standard Cafe auftreten. Oder wie Geschäftsführer Rainer Korte sagt: „Wir haben schon viele Erfahrungen im Wettbewerb Handwerksbäcker gegen Discounter gesammelt. Mit dem richtigen Ladenbau Konzept sind die Billiganbieter völlig unproblematisch.”
Lounge-Atmosphäre
Auf rund 260 Quadratmeter bietet das Cafe gut einhundert Sitzplätze. Betrachtet ma den Ladenbau, so fällt hier zunächst die Zweiteilung auf. Vorne, entlang der nach hinten führenden Thekenfront, befindet sich der Bereich, der wohl vor allem für die Zielgruppe 40plus gedacht ist. Zum Eintritt verleitet eine komplett zu öffnende, fast elf Meter lange Front zur Fußgängerzone. Die jüngere Zielgruppe und die, die eher die Ruhe suchen, müssen eine Halbtreppe hinaufschreiten und kommen in ein eigenes Reich. Abgeschirmt vom Trubel im vorderen Bereich betritt man hier eine andere Welt mit schwarzen Ledersesseln und Fördertürmen (dem Bochumer Wahrzeichen) in Warhol-Manier an der Wand.
Das Ladenbau Konzept ist aufgegangen, im Cafe tummeln sich zur Zufriedenheit von Horsthemke-Bezirksleiter Horst Sudwischer jung und alt. Noch eine weitere erfreuliche Entwicklung ist zu verzeichnen: Anfangs hatte man bei Horsthemke vor allem auf den Snack- und Kaffee-Umsatz gesetzt, trotz der Billigkonkurrenz liegt aber der Absatz an Brot- und Brötchen deutlich über den Erwartungen. Sudfischer führt das zum Teil auch auf das Brotfenster zurück, das als Kundenmagnet wirkt. So oder so eine erfreuliche Entwicklung, besonders natürlich angesichts des Discounters schräg gegenüber.
Das gesamte Brötchensortiment wird im Laden gebacken. Als ideal für die wechselnden Anforderungen hat sich in Kürze: auch die Tavola Theke erwiesen. Die Kombi-Kühlung bietet die Möglichkeit für die gerade Präsentation (zum Beispiel Frühstück, Salate, Torten) und die schräge Präsentation (zum Beispiel für Snacks und Sahneschnitten). Die Tischpräsentation bietet die ideale Ausstellungsfläche für unterschiedliche Produktgruppen zur jeweiligen Tageszeit – egal ob Frühstück, Mittag, Nachmittag oder Abend. Schließlich sorgt der Glasaufsatz im 90-Grad-Winkel für völlige Transparenz und optimalen Wareneinblick. Hier hat Sudfischer aber auch einen kleinen Kritikpunkt: Eine nach vorn klappbare Scheibe würde die Reinigung erleichtern.
Snack-Kompetenz
Ob ein Bäcker mit solch einem Ladenbau Konzept Erfolg hat, ist nicht nur vom Standort abhängig, sondern auch von der vorhandenen Snackkompetenz. Horsthemke hat Erfahrungen mit ähnlichen Standorten und bringt diese Voraussetzung mit. In der Kortumstraße sind so nicht nur vier Verkäuferinnen pro Schicht im Einsatz, sondern auch der Snackberater des Unternehmens. Der schult vor Ort die neuen Verkäuferinnen – die Hälfte der Crew sind erfahrene Kräfte aus anderen Horsthemke-Filialen, die andere Hälfte wurde für das Café neu eingestellt. Zurzeit arbeitet das Cafe wegen der Jahreszeit bei den Snacks noch mit angezogener Handbremse.
Im Angebot finden sich neben dem Frühstück viele klassische Bäckersnacks. Die werden an einer Belegstation perfekt für den Kunden sichtbar hergestellt. Fast alle Snacks werden auch in einer warmen Variante angeboten. Wenn das Bäckergastro-Angebot ausgebaut werden soll, steht ein großzügiger Vorbereitungsraum zur Verfügung. Top ist jetzt schon bei den Getränken nicht nur das Kaffee-Angebot. Auch der Kakao-Liebhaber kann sich auf ein breites, hochwertiges Angebot freuen. Sicherlich eine Marktlücke, die viele andere Betriebe angesichts der Konzentration auf den Kaffee ein wenig vernachlässigt haben.





