Mit einem neuen Standort in den Köln Arcaden macht die Bäckerei Schmitz & Nittenwilm einen Schritt in Richtung Ladenbau Innovation.
Lange hatte die Familie Schmitz um die Verkaufsfläche im Center, in dem rund hundert Einzelhändler vertreten sind, gekämpft. Immer wieder verhandelte man mit der IFM, dem Centermanagement um die rund 160 qm im Untergeschoss. Die ersten Gespräche wurden bereits vor einigen Jahren geführt. Doch der Einsatz hat sich gelohnt, das Center ist einer der Einkaufsmagneten für Kölner und Menschen aus der Umgebung geworden und somit ein viel versprechender Standort für eine Bäckerei.
Zur Eröffnung der Köln-Arcaden am 2. März rechnete das Management mit rund 90.000 Besuchern, 140.000 kamen. Knappe zwei Monate später hat sich das Café Schmitz & Nittenwilm als zentrale Anlaufstelle für zahlreiche Einkaufswütige fest etabliert.
Bis auf den letzten Platz belegt sind die 62 Sitzgelegenheiten, als Juniorchef Peter Schmitz das Prinzip der mittlerweile 30. Filiale des Unternehmens erläutert: "Ursprünglich sollte der Standort als Kombiladen mit einem Metzger realisiert werden, doch dann fand das Management keinen Partner für die benachbarte Fläche." So mussten die ersten Pläne für das Ladenbau Konzept wieder verworfen werden, woraufhin sich Schmitz erneut mit dem Ladenbauer zusammensetzte. Das Ergebnis: Die Filiale präsentiert sich als gelungene Mixtur aus Coffee-Shop und Bistro. Bewusst setzten die Betreiber auf die optische Umsetzung dieses Mischkonzepts – Kaffeekompetenz in Szene gesetzt durch eine halbautomatische Kaffeemaschine und einen Ladenbackofen im hinteren Teil des Ladenlokals. Darauf wurde das Sortiment sorgfältig abgestimmt.
Kompetenz in Sachen Bäckerei und Kaffee
Die neue Verkaufsstelle sollte auch die neue Linie des Firmenbetriebs, Bäcker- und Kaffeekompetenz überzeugend darstellen und ist mittlerweile das fünfte Objekt, das in diesem Sinne um- bzw. in diesem Fall gebaut wurde. Ein stringentes Auftreten am Markt und ein hoher Wiedererkennungswert gehören selbstverständlich dazu, dennoch müssen die Besonderheiten des jeweiligen Standorts in die Planung einfließen. Schmitz Nittenwilm ist im Center einer von drei Backwarenanbietern, denn Mitbewerber wie die Wiener Feinbäckerei Heberer und der Glockenbrotbäckerei in der Vorkassenzone des Thom-Marktes sind hier ebenso zu finden. "Wir wollen uns abgrenzen, auch mit dem Sortiment."
Den Standort ausschließlich als Bäckerei zu betreiben wäre sicherlich ein Fehler, ist sich Peter Schmitz sicher. "So haben wir uns ganz bewusst für das Herausstellen der Kaffeekompetenz entschieden." Liebevolle Details, seien es die in einer Wiener Rösterei aufgenommen Schwarzweiß-Fotos an den Wänden oder auch der lang gezogene Tisch, unter dessen Glasplatte sich ebenfalls eine Fotografie und Kaffeebohnen befinden, signalisieren dies. "350 bis 500 Heißgetränke gehen hier täglich über die Theke." Zahlen, die belegen, dass die Kaffeespezialitäten, angeboten werden nicht nur Cappuccino, Café au lait und andere, sondern auch Flavoured Coffees, gefragt sind. Ergänzt wird das Spektrum durch geeiste Getränke.
Weniger ist mehr
Nicht nur im Kaffeesektor setzt der Betrieb andere Akzente, auch die Snacks sind ausgesucht und hochwertig. "Sicherlich haben wir auch ein einfaches Salamibrötchen, doch die Auslagen bestücken wir mit ausgefallenen Snacks wie Körnerstangen mit Frischkäse und Paprika gefüllt". Eine Ausnahme: Halbe belegte Mettbrötchen sind in jeder Kölner Bäckerei einfach ein "Muss".
Warum diese Entscheidung für ein eingeschränktes, aber qualitativ hochwertiges Angebot? Zum einen grenzen wir uns dadurch von den beiden Mitbewerbern ab, zum anderen sind bei diesen Artikeln die Margen größer. Präsentiert werden die Snacks, zu denen ebenfalls auch Salate und Quarkdesserts mit Obst gehören in einer Kühltheke von 2,40 m Länge. Diese bietet Platz für vier, die Trockentheke sogar für sieben Bleche. Auch im Brotregal findet sich statt des gesamten Schmitz-Nittenwilm Brotsortiments nur eine Auswahl, bei der aber die hauseigene Spezialität "Unser Hausbrot" – ein Roggenmischbrot mit hohem Sauerteiganteil nicht fehlen darf.
Entsprechend des neuen Ladenbau Konzeptes wurde eine Aktionstheke in Ausrichtung zur Einkaufsmeile des Centers eingebaut, die Platz für zwei gekühlte Bleche und zwei Trockenbleche bietet. Ursprünglicher Gedanke war, die Kühlfläche zur Präsentation von Snacks zu nutzen. Da jedoch 90 Prozent der Kunden ihre Snacks im Café verzehren, wird diese ebenfalls zur Auslage des Hausbrots genutzt. Mit diesem und anderen Backwaren und Kuchen wird die Verkaufsstelle von der rund fünfzehn Autominuten entfernt liegenden Produktion in Köln Zollstock beliefert.
Klasse statt Masse
Eine Devise, die sich auch in der Gestaltung des Ladenlokals widerspiegelt. Sitzbezüge in warmem Rot, die sich erst auf den zweiten Blick als kunstledern herausstellen. Dunkle Holztöne, Glas und mitten im Sitzbereich als Kontrast zu den übrigen Sitzgruppen ein runder an eine Lounge erinnernder Bereich. Hier variiert nicht nur die Form zu den übrigen rechteckigen Tischen, sondern auch die Farbe der Bestuhlung. Ein Kontrast in schwarz und ein Gegensatz der gewollt ist. "Wir hätte gern noch mehr solcher Kontrastpunkte gesetzt, aber aufgrund der relativ engen Bestuhlung, die natürlich wirtschaftliche Gründe hat, mussten wir darauf verzichten."
Direkt vor Kopf laufen die Kunden auf eine Art Showroom, abgrenzt hinter saturierten Glasscheiben, steht der Ladenbackofen. Gerade diesen Bereich will Schmitz in Zukunft verstärkt als Schaubackstube nutzen und saisonale Gebäcke backen. "Die Aufteilung des Ladenlokals ergab sich aus der Form, da der Raum eher schmal ist, so dass wir nicht wie in anderen Filialen den Ladenbackofen in den hinteren Thekenbereich integriert haben." Heute weiß Schmitz, dass die Aufteilung Snacks, Kaffee, Brot und Backwaren einerseits und davon getrennt - ein zusätzlicher Effekt - die Ladenbackstube sich als vorteilhaft für diesen Standort herausgestellt hat. Ein anderer Kompromiss, den er aufgrund der Vorgaben des Centers eingehen musste, war der Verzicht auf eine Empore, um verschiedene Höhen im Sitzbereich zu erhalten. Stattdessen wählte man in Abstimmung mit dem Ladenbau Konzept von Korte Einrichtungen für den hinteren Bereich hohe Barhocker und schuf so unterschiedliche Sitzbereiche.
Fazit
Ladenbau Konzept, Standort und Sortiment stimmen, davon ist Peter Schmitz überzeugt. Dennoch ist er nicht leicht zufriedenzustellen. "Wir sind umsatzmäßig noch nicht am Ziel, aber zielsicher auf dem Weg dorthin."




