Rund 1.000 Kunden besuchen täglich die Filiale in der Karlstraße in Heidenheim. Seit dem Umbau mit Korte Einrichtungen ist dieser Standort zum Flaggschiff der Bäckerei Gnaier geworden.
Mehr Umsätze verspricht sich sicherlich jeder Bäcker von einer neuen Ladenbau Einrichtung. Doch mit einem derartigen Umsatzzuwachs hätte Paul Gnaier, der den 1924 gegründeten Familienbetrieb mit 18 Filialen rund um Heidenheim leitet, nicht gerechnet. „Wir sind übers Ziel hinaus geschossen, denn wir machen seit dem Umbau 50 Prozent mehr Umsatz“, zieht der Betriebsinhaber Bilanz. Um 12 Uhr an einem ganz normalen Wochentag ist jeder der 28 Sitzplätze belegt und kaum ein Stehtisch mehr frei. Das Angebot eines Sitzbereichs ist eine der zahlreichen Neuerungen im Geschäft, das im vergangenen September Wiedereröffnung feierte.
Punktlandung
Ein dreiviertel Jahr dauerte die Planungsphase. Mit dem Innenarchitekten Günther Meissl der Firma Korte Einrichtungen besuchte das Ehepaar Gnaier andere Objekte, überlegte und entwarf gemeinsam das eigene Ladenbau Konzept für das Geschäft in der Karlstraße. Zielsetzung aber war von Anfang an, vor dem neuen Shopping-Center „Schloß Arkaden“ zu eröffnen. Denn Gnaiers war klar, dass sich mit dem Bau des Centers in der Karlstraße der Kundenlauf der Fußgängerzone ändern würde und der Standort dank seiner direkten Nähe davon profitieren würde. In nur knapp acht Wochen wurde die fünfzehn Jahre alte Verkaufsstelle in der Fußgängerzone in Heidenheim komplett umgebaut. „Wir wollten keine halben Sachen machen, sondern einen Laden mit „Aha“-Effekt“, erklärt Petra Gnaier, die für die Verwaltung und das Büro zuständig ist. Das hieß gleichzeitig, eben nicht am falschen Ende zu sparen.
So wurde nicht nur in die Einrichtung investiert, sondern auch der gesamte Eingangsbereich neu mit einer Falttüranlage versehen und neues technisches Equipment gekauft. Die Verkaufsstelle wurde u. a. mit einem neuen Miwe-Ladenofen, einer Brotschneidemaschine von Wabäma und zwei WMF-Kaffeemaschinen bestückt.
Kompetenz demonstieren
Durch den Umbau vergrößerte sich die Verkaufsfläche, so konnte durch Hinzunahme der Lagerfläche - hier befindet sich heute auf einer „Empore“ der Sitzbereich - die Verkaufsfläche verdoppelt werden. Früher gab es lediglich ein gutes Dutzend Stehplätze. Außerdem wurden der eher schlauchförmig verlaufende Grundriss des Geschäfts neu gestaltet und der Eingangsbereich neu konzipiert. Da mit verstärktem Kundenlauf auf Grund des neuen Centers gerechnet werden konnte, entschieden sich Gnaiers für einen offenen und einladenden Eingangsbereich mit großer Glasfront. Darüber hinaus ist die Theke so positioniert, dass sie teilweise direkt an die Fensterfront angrenzt. Für den Straßenverkauf nahezu optimal. Ein weiterer Unterschied im Ladenbau Konzept: Früher befand sich auf der linken Seite vom Eingang das Brotregal und rechts die Snacktheke. Diese Trennung wurde bei der Umgestaltung aufgehoben, so dass sich Kunden die gesamte Bandbreite des Sortiments auf einen Blick demonstriert. Außerdem haben sich - so Petra Gnaier - die Personalkosten reduziert. Als ein Stopper im Verlauf der Theke wird in einem durch eine erhöhte Glasscheibe und zweietagig konzipierten Thekenabschnitt Brotaufschnitt angeboten. Ein zusätzlicher Service für die Kunden.
Snacks und Kaffee
Das Hauptaugenmerk liegt beim Sortiment auf den Bereichen Snacks und Kaffee - die das Ehepaar Gnaier noch stärker als bisher in den Vordergrund rücken wollte. Ein Ziel, das wie die Zahlen beweisen, erreicht wurde. Machten Snacks und Kaffee früher gerade mal ein Drittel des Umsatzes aus, liegt der Anteil heute bei rund 50 Prozent. Gerade das Angebot an Kaffee war den Gnaiers wichtig und sollte deshalb besonders hervorgehoben werden. Kunden muss - so die Devise - auf einen Blick deutlich werden, welches Kaffeeangebot sie erwartet, u. a. stehen Kaffee Crème, Cappuccino, Moccachino mit Flavours wie Amaretto oder Haselnuss verfeinert, auf dem Programm. Zu diesem Zweck wurde ein, wie Paul Gnaier es bezeichnet, Kaffeealtar errichtet. „Hätten wir den Laden nur renoviert und nicht rundum mit einem neuen Ladenbau Konzepüt versehen, hätten wir sicherlich dieses Ergebnis nie erreicht“, ist sich Petra Gnaier sicher. Um den Umsatz mit Kaffee weiter zu steigern und Kunden zu binden, gibts zum ersten Mal im Betrieb Gnaier „Treuekarten“. Beim Verzehr von zehn Tassen erhält der Kunde die elfte gratis. Ein Kundenservice, der auf enorme Resonanz stößt. „Viele Kunden haben schon binnen dreier Tage ihre Kaffeekarte abgestempelt“, freut sich Petra Gnaier. Darüber hinaus wird durch ein weiteres Detail der Blick des Kunden auf die Kaffeespezialitäten gelenkt. Überall an den Wänden finden sich stilvolle Fotografien von unterschiedlichen Kaffeeangeboten, auf allen ist auch das Markenzeichen der Bäckerei Gnaier, eine Brezel, abgebildet. Die Idee, Fotos aufzuhängen und so das Gesamtbild abzurunden, gefiel Paul Gnaier auf Anhieb. Aber es sollten Fotos von eigenen Produkten sein. So wurden eigens ein Fotograf und ein Model aus Düsseldorf engagiert, um die hauseigenen Spezialitäten ins rechte Licht zu rücken. Der Cappuccino auf dem Foto ist also made bei Gnaier.
Bei der Neugestaltung der Verkaufsstelle war für das Ehepaar entscheidend, ein Ladenbau Konzept zu realisieren, das auf der einen Seite zum Betrieb passt und einen Wiedererkennungswert hat, auf der anderen Seite aber standortbezogen ist. „Bei uns sollen nicht alle Verkaufsstellen gleich ausssehen. Wir wollen keine Uniformität.“ Auf die Frage, welches das Highlight des Hauses ist, erntet man ein Schmunzeln. „Bei uns können Sie eine Seele kaufen - eine Schlemmerseele.“ Unter diesem Be griff versteht man bei Gnaiers ein Baguette, das zum Beispiel mit Schmand, Zwiebeln, Speck, Schnittlauch und Käse überbacken ist. Der herzhafte Snack wird in vier Variationen angeboten und kostet 2,95 Euro. Ebenfalls ein Snack, der als unbedingtes Muss in dieser Region zu verstehen ist, sind Brezeln; 48 Cent kostet eine bei Gnaier. Zwischen 800 und 1000 Stück gehen täglich über die Ladentheke. „Die Teiglinge machen wir selbst, gebacken wird dann in der Verkaufsstelle.“ Atmosphäre und ein Angebot an Snacks und anderen Backwaren, das mittlerweile auch immer mehr neue Kunden schätzen. Rund 30 Prozent mache nach dem Umbau der Anteil neuer Kunden aus, darunter natürlich viele Centerbesucher, die aus dem Umland kommen. Mittlerweile hat die neu gestaltete Verkaufsstelle selbst den ehemaligen Topstandort des Betriebs, das ebenfalls in der Karlstraße liegende Café Curt, umsatzmäßig überholt. Dennoch machen sich, so Gnaiers, die beiden Verkaufsstellen nicht gegenseitig den Umsatz streitig. Der Umbau kam genau zum richtigen Zeitpunkt, das „individuelle“ Ladenbaukonzept geht auf, die „Seele“ des Ladens stimmt.




