Im Hauptgeschäft der Altstadtbäckerei Hinkel erinnert vieles an die guten alten Bäckerzeiten – nicht nur ein rekordverdächtiges Brotregal
So einen Auftrag bekommt man bei Korte-Einrichtungen in Kürten sicher auch nicht alle Tage. Einer von Deutschlands Vorzeigebäckern – Josef Hinkel aus Düsseldorf – wollte nach 10 Jahren sein Hauptgeschäft in guter Lage neu einrichten lassen. Und seine Anforderungsliste für den Ladenbau war ungewöhnlich: Kein Ladenbackofen, keine Belegstation, keine Kühltheke, kein Kaffee-Konzept, keine Bäckereigastronomie. Hinkel wünschte sich einfach einen simplen Bäckerladen. Zwar modern, aber bloß nicht protzig.
Zielgruppe der Bäckerei sind alle „Kunden, die gutes Brot zu einem fairen Preis kaufen wollen“, sagt Hinkel. Jedes Detail bei neuen Ladenbau musste funktional und langlebig sein, schließlich wird in dem Laden in der Mittelstraße soviel Brot verkauft wie wohl in keinem anderen Bäckerladen in Deutschland. Zehn Verkäuferinnen (in Stoßzeiten auch mehr) haben alle Hände voll zu tun, die Nachfrage nach Brot, Brötchen und feinen Backwaren zu befriedigen. Präsentiert wird die Ware auf rekordverdächtigen 46 laufenden Metern Brotregal und einer drei etagigen Theke für 22 Bleche. Soviel Fläche ist auch notwendig: Mit nur einem weiteren Geschäft und einigen Lieferkunden kommt Hinkel insgesamt auf einen Umsatz von 3,2 Mio. Euro.
Bewusste Beschränkung
Hinkel bricht bewusst viele Regeln der modernen Bäckerei und beim modernen Ladenbau, und gerade das macht seine Einzigartigkeit aus. An einem Standort, wo jeder andere Bäcker zumindest Snacks und Kaffee ins Sortiment genommen hätte, konzentriert er sich auf seine Kernkompetenz – mit wachsendem Erfolg. Der Verweis auf das Hauptprodukt – „die Bäckerei der Brotfreunde“ – findet sich schon im Logo. Und spätestens wer an dem Laden vorbeigeht, weiß, was damit gemeint ist: ein Schaufenster, das ein echter Ladenbau Hingucker ist, lockt die Leute. Vorne das Brotsortiment in einer Vielfalt, die anderswo der Controller schon längst beendet hätte, und dahinter der Blick in den zu fast jeder Zeit vollen Laden.
Die Produkte sind aber nur ein Teil des Phänomens Hinkel. Zwei weitere Punkte sind wichtig: Da ist zunächst einmal Hinkel selbst. Vormittags kann man ihn beim Backstubenladen antreffen, ab Mittag steht der Bäckermeister im Verkauf in der Mittelstraße und ist im ständigen Kundenkontakt: ein nettes Wort für die alte Dame, ein kurzer Plausch mit dem stadtbekannten Künstler, ein kleiner Flirt mit der jungen Kundin. An seine Brotqualität mögen andere Bäcker auch herankommen, den glaubwürdigen Bäckermeister im Verkauf können aber Kamps und Co. In der Umgebung nicht nachmachen. Der dritte Garant für den Erfolg des Betriebes ist schließlich von außen nicht sichtbar: Hinkel legt wert auf selbstständige Mitarbeiter und Führungskräfte, denen er dann auch viel Verantwortung und Entscheidungsspielraum gibt.
Qualität liegt im Detail
Am grundsätzlichen Konzept des Ladens sollte sich nach Wunsch des Bäckers nichts ändern. Dennoch war beim neuen Ladenbau Konzept für Korte-Einrichtungen nicht nur Detailarbeit angesagt. Wichtigster Eingriff: Die Deckenhöhe wuchs um 90 cm von 2,60 auf 3,50 Meter Höhe. Das beschert dem Laden deutlich mehr Volumen – wichtig, wenn die Kunden in Fünferreihen vor der Theke warten müssen. Eine gut arbeitende Klimaanlage schafft weitere Erleichterung.
Für das richtige Bild der Ware in der Theke sorgt eine eigene Beleuchtung für jede Etage. Die neue Technik erzeugt auch nur noch ein Drittel der Wärme gewöhnlicher Lampen. Die Theke hat ein weiteres Highlight zu bieten: eine Staubsaugeranlage ist eingebaut, an fünf Stellen kann der Schlauch angeschlossen werden. Den gewonnen Raum oberhalb des Brotregals nutzt man für ein umlaufendes Band, auf dem die Angebote vermerkt werden können. Und wer gerne auf Holz klopft, kann das in der Hinkel-Filiale ausgiebig tun: Eiche Massivholz fand reichlich Verwendung. Die Resonanz der Kunden ist dementsprechend positiv, nur ein Problem ließ sich auch durch den Umbau nach dem neuen Ladenbau Konzept nicht beseitigen. Eine Kundin brachte es auf den Punkt: „Ich möchte einmal erleben, dass der Laden leer ist und ich sofort bedient werde.“



